Osteopathie

Der Begriff Osteopathie steht für ein Diagnose- und Therapiekonzept, das auf den US-amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still zurückgeht, der 1885 den Begriff Osteopathie prägte. Dr. Taylor Still erkannte, dass Krankheiten mit einer verminderten Eigenbewegung von Strukturen wie Muskeln, Faszien, Bändern, Gelenken, Knochen und Organen einhergehen können. Die Osteopathie hilft dabei Bewegungseinschränkungen aufzuspüren und zu lösen.

 

Zu den grundlegenden Annahmen gehört, dass der Körper als Funktionseinheit betrachtet wird und grundsätzlich zur Selbstregulierung fähig ist, dass sämtliche Körperfunktionen von der Ent- und Versorgung durch das Nerven- und Gefäßsystem abhängen und dass eine Heilung durch die Förderung der Selbstheilungskräfte des Körpers möglich ist.

 

Der französische Tierarzt Dominique Giniaux übertrug Anfang der 70er Jahre die Prinzipien der Osteopathie auf Pferde. Erst seit 2006 gibt es den Ausbildungsgang zum Osteopathen für Hunde. Denn auch immer mehr Hunde haben große Probleme im Bewegungsapparat, Hüft- oder Ellenbogendysplasien, Spondylosen, Bandscheibenvorfälle oder ein fragmentierter Processus Anconeus, Kreuzbandrisse und operierten OCDs, können mithilfe einer osteopathischen Behandlung deutlich verbessert werden.

Die osteopathische Behandlung von Hunden weißt viele Parallelen zur menschlichen Behandlung auf, aber doch recht große Unterschiede zur Pferdebehandlung. Häufig kommen die Bewegungsbeschwerden bei Hunden von Ungleichgewichten der inneren Organe und deren Aufhängungen, sowie von Muskelverspannungen und Muskelüberbelastungen.

Eine osteopathische Behandlung versucht Beziehungen zwischen unterschiedlichen Strukturen zu erkennen, um diese dann gegebenenfalls auch zu normalisieren, damit die Gefäßsysteme (=Ernährung und Abfalltransport) und Nerven (=Koordination) wieder als ein integrierendes und unterstützendes Gerüst für den Gesamtorganismus funktionieren können. Dabei sind Wechselwirkung von Struktur und Funktion zu beachten. Dieses Prinzip bedeutet, dass Funktionen eines Organes, Muskels, Gelenkes, Bandes oder eines Knochens seine Struktur bestimmen. Umgekehrt gilt dasselbe, denn die Struktur kann auch die Funktion bestimmen: So ist zum Beispiel das Schienbein deutlich dicker und größer als das Wadenbein, weil das Schienbein dafür zuständig ist, einen Großteil des Körpergewichtes zu tragen

 

Das Ziel der Behandlung ist es, ursächliche Krankheitsfaktoren aufzulösen oder abzuschwächen, freie Beweglichkeit der Gelenke und Faszien wieder einzurichten, das autonome Nervensystem auszugleichen, die Körperstatik zu harmonisieren, viszerale Störungen aufzulösen und psycho-emotionale Erleichterung und Entspannung zu erreichen.

 

Anwendungsgebiete sind z.B.

 

  • Lahmheiten
  •  Rückenschmerzen
  • Wirbelsäulenblockaden
  • Bandscheibenvorfälle (Dackellähme)
  • Arthroseschmerzen
  • allgemeine Bewegungseinschränkungen und Veränderungen
  • HD / ED
  • Cauda-Equina Kompressionssyndorm (CECS)
  • Kreuzbandriss OCD
  • Vor und nach sämtlichen Operationen
  • Muskelschwächen
  • Zur Steigerung der Lebensqualität im Alter

 

Wenn ein Hund auf einmal nicht mehr in den Kofferraum springt, er sporadisch humpelt oder unrund läuft, beim Gassi gehen ständig hinter her zuckelt, stehen bleibt oder sich gar hinlegt, ab und zu mal mit der Hinterhand umfällt, mit den Krallen schleift, immer öfter sehr steif nach längeren Ruhepausen ist, sich anders hin setzt oder diesen Befehl gar verweigert – was sonst nie vorgekommen ist, aber auch plötzliche Aggressionen gegen jeden anderen Hund, schnappen und knurren beim Bürsten, Zuckungen im Fell beim Streicheln des Rückens, Bewegungsunlust, Spielunlust oder andere ähnliche Symptome zeigt, können Blockaden vorliegen.

Die Liste der aufzuführenden Möglichkeiten, die auf Probleme oder Schmerzen im Bewegungsapparat hinweisen können, ist sehr lang. Denn Hunde sind Meister der Kompensation und des Nichtzeigens von Schmerzen oder Problemen. Und erst wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt, zeigen sie eindeutig das etwas nicht in Ordnung ist. Aber leider haben wir dann oft schon einen Bandscheibenvorfall, einen Kreuzbandriß oder ähnliches. Es macht also Sinn, diese kleinen Veränderungen an seinem Hund ernst zu nehmen und überprüfen zu lassen, bevor größere Schäden auftreten.